Welchen Weg nehmen eigentlich medial geäußerte Botschaften – und warum lohnt es sich, zum richtigen Zeitpunkt Medienpräsenz zu zeigen? Eine Verbreitungsanalyse.

Mobilität bedeutet Emotionalität. Auch in der medialen, politischen und gesellschaftlichen Diskussion. Viele Interessen und Akteure, noch mehr Meinungen und mitunter auch viel Halbwissen. Die öffentliche Diskussion über Mobilität verläuft nicht linear, sie ist komplex und wird nicht immer fair geführt. Viel Monolog und wenig Dialog sind oftmals prägend.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die eigenen Interessen gegenüber den Stakeholdern kontinuierlich zu betonen und die eigene Bedeutung im Gesamtkontext zu verdeutlichen.

Nur, wer Gesicht zeigt, hat in der aktuellen Debatte eine Chance, wahrgenommen zu werden. Das gilt insbesondere für Unternehmen, die nicht DAX-notiert sind. Wie eine öffentlichkeitswirksame Positionierung und eine anschließende crossmediale Verbreitung funktionieren kann, haben wir an einem Interview mit Dr. Stefan Wolf analysiert und visualisiert. Stefan Wolf ist Vorstandsvorsitzender des schwäbischen Automobilzulieferers ElringKlinger und Mitglied im Vorstand des Verbands der Automobilindustrie VDA.

Infografik Verbreitungsanalyse

Infografik: Verbreitungsanalyse (zum Vergrößern anklicken)

Für diese Analyse haben wir das navos mobility update so programmiert, dass das Tool auf Online-Berichte und Veröffentlichungen reagiert, die die Aussagen von Stefan Wolf im Deutschlandfunk thematisieren. Mehr Infos zu unserem navos mobility update gibt es hier:


https://www.navos.eu/mobility/online_monitoring/

Das Setting:

Am Morgen des 15.01.2020 gab Stefan Wolf dem Deutschlandfunk (Christine Heuer) ein Interview – Tenor: Die deutsche Automobilindustrie braucht finanzielle Unterstützung seitens des Staats, um im globalen Wettbewerb zu bestehen. Der Zeitpunkt für das Interview ist dabei keineswegs zufällig gewählt. Denn am gleichen Tag findet in Berlin der zweite Autogipfel im Kanzleramt statt. Ein idealer Zeitpunkt, um die eigenen Botschaften und Forderungen zu setzen – öffentlichkeitswirksam in einem angemessenen Rahmen. Der Frame war gesetzt, die Aufmerksamkeit war Stefan Wolf sicher.

Die Verbreitung (siehe Visualisierung):

Unmittelbar nach dem Interview veröffentlichte u.a. die Deutsche Presse-Agentur (dpa) eine Meldung mit den Kernaussagen des Interviews. Zudem verlängerte auch der Deutschlandfunk das Interview über seine bestehenden Kanäle (u.a. Twitter). In der Folge griffen reichweitenstarke Medien wie das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche und die Frankfurter Allgemeine Zeitung sowie Branchenmedien (Automobil Produktion und Verkehrsrundschau) die Kernaussagen auf und zitierten aus dem Interview. Auch im Social Web und in den Kommentaren reagierten Nutzer auf die Positionierung von Stefan Wolf.

Das Ergebnis:

Innerhalb des untersuchten Zeitraums (15.01. bis 16.01.20) identifizierten wir 259 Treffer, die sich unmittelbar auf die Interview-Aussagen von Stefan Wolf bezogen– crossmedial verteilt über die verschiedenen Segmente (Nachrichten, Social Media, Blogs etc.). Dabei wurden über 203 Berichte im Segment „Nachrichten“ veröffentlicht – die deutliche Mehrheit. Bei Twitter reagierte u.a. das baden-württembergische Wirtschaftsministerium mit einem Post, der die Position und die Aussagen von Stefan Wolf deutlich stärkte und unterstützte.

Bei den relevanten Medienberichten konnten wir zudem eine sehr hohe Viralität (Interaktionsrate) identifizieren. Ein Beispiel: Das Interview, das der Deutschlandfunk online verlinkte, weist einen Viralitätswert in Höhe von 546 auf (28 Backlinks und 518 Verlinkungen nach Facebook).

Unser Fazit:

Die Verbreitungsanalyse zeigt, wie eine gezielte und Medienplatzierung zum richtigen Zeitpunkt – kombiniert mit einer sehr deutlichen Botschaft – eine aktuelle Debatte prägen und öffentliche Aufmerksamkeit für ein konkretes Interesse sichern kann. Der hohen Grad der Vernetzung zwischen (Fach-) Medien, Journalisten und Lesern wird sehr gut sichtbar.

Autor: Lucas Roth, 21.02.2020